Pressemitteilung vom Bauwirtschaft im Juni mit erstem Monatsminus seit Oktober 2013

Düsseldorf. „Pünktlich zur Halbjahresbilanz ist der positive Jahresstart egalisiert worden. Für die zweite Jahreshälfte erwarten wir angesichts der allgemeinen privaten und öffentlichen Investitionszurückhaltung deutliche negative Auswirkungen für die Bauwirtschaft in Nordrhein-Westfalen. Bei den Beschäftigten liegen wir heute schon fast drei Prozent unter Vorjahresniveau“, so die Hauptgeschäftsführerin des Bauindustrieverbandes Nordrhein-Westfalen, Prof. Beate Wiemann, heute bei der Vorstellung der konjunkturellen Halbjahresbilanz des Bauhauptgewerbes.
Der kumulierte Auftragseingang liegt nach Einberechnung der Juni-Zahlen erstmalig unter dem Niveau des Vorjahres(-0,2 %). Litten bislang nur einzelne Bausparten wie der Wirtschaftsbau unter der Investitionszurückhaltung, sind nun nahezu alle Bausparten vom Abwärtstrend betroffen. Damit sind die positiven Effekte des Jahresbeginns vollständig aufgebraucht. Für die zweite Jahreshälfte ist somit von einer deutlich schlechteren Bilanz auszugehen.
Mit 4,364 Milliarden Euro (-0,2 %) verzeichnen die Unternehmen des Bauhauptgewerbes mit Sitz in Nordrhein-Westfalen bislang somit einen Auftragseingang unter Vorjahresniveau. Deutschlandweit liegt der Auftragseingang jedoch nach wie vor robust im Plus (2,9 %).
Wiemann: „Die Konjunkturzahlen am Bau zeigen die Investitionsschwäche im Land. Öffentliche Hand und Unternehmen an Rhein und Ruhr investieren zunehmend weniger in die Zukunft. Für Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand im Land sind das die falschen Vorzeichen!“
Der Wirtschaftsbau liegt insgesamt 1,8 Prozent unter Vorjahresniveau. Der Hochbau von Bürogebäuden und Fabriken privater Auftraggeber verzeichnet sogar 11,1 Prozent Auftragsminus. Deutschlandweit zeigt sich mit +2,9 Prozent und +/- 0 Prozent auch hier ein deutlich besserer Trend.
Der wichtigste Wachstumstreiber in 2014 war bislang der Wohnungsbau. Dieser konnte in Nordrhein-Westfalen bis Ende Juni einen Auftragseingang von 800 Millionen Euro erzielen. Allerdings liegt selbst dieser Wert mittlerweile mehr als sechs Prozent unter Vorjahresniveau (-6,1 %). Mit einem Plus von 8,5 Prozent zeigt der Vergleich von Nordrhein-Westfalen mit dem Bundesschnitt die drastische Lücke.
Der Straßenbau liegt als einzige relevante Bausparte noch im Plus. Die Auftragseingänge belaufen sich bis Ende Juni auf 674 Millionen Euro, das sind 1,9 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangen Jahres.
Prof. Beate Wiemann zieht daraus folgenden Schluss: „Die Landesregierung steht 2015 vor zwei großen Herausforderungen: Erstens benötigt Nordrhein-Westfalen einen Haushalt mit angemessenen und bedarfsgerecht höheren Investitionen. Hier appellieren wir an Finanzminister Walter-Borjans, den Investitionsbedarf nicht zu vernachlässigen. Zweitens fehlt es den Unternehmen im Land offensichtlich an Zukunftsperspektive und Investitionssicherheit. Die gesamte Landesregierung ist aufgefordert, weniger ‚Insellösungen‘ und bürokratischen Mehraufwand zu schaffen. Was unsere Unternehmen dringend benötigen sind Maßnahmen zur Förderung von Investitionen, nicht deren Eindämmung.“

